Karl Renz - Sei, was du nicht nicht sein kannst

ZITATE VON KARL RENZ

Erleuchtung ist mehr eine Erkenntnis als eine Realisation. Es ist die Erkenntnis, dass das was du bist, schon immer realisiert ist und nicht mehr realisiert werden kann als es bereits ist. Das ist alles.

So wie ich das sehe und ich sage nicht dass das die Wahrheit ist, ist dieses Selbst ohne Ursache und kann niemals die Ursache von etwas sein. Wäre es das, dann könnte es nicht die Freiheit sein, die Freiheit an sich ist. Das Selbst braucht keine Freiheit vom Verstand oder irgendwelchen Umständen.

Derjenige der geht, hält total an und sieht dass da kein Weg zu gehen ist und kein Selbst zu erreichen. Nur durch das Selbst kann dieses totale Anhalten, diese totale Resignation geschehen. Dann siehst du dass das was du bist vollständig ist so wie es ist, dass es immer vollständig war und immer vollständig sein wird.

Es kommt wie ein Unglück, denn es war nicht geplant. Es hat keine Ursache. Tatsächlich besteht keine Notwendigkeit dafür weil das Selbst bereits das Selbst ist. Darum besteht für das Selbst keine Notwendigkeit, dass etwas getan oder etwas gefunden wird. Das Selbst ist das Selbst, mit oder ohne Wissen. Es besteht keine Notwendigkeit für Wissen, Realisation oder sonst irgendetwas.

Sehnsucht taucht auf, wenn du denkst, du hättest etwas verloren. Zum Beispiel die Lebendigkeit deiner Kindheit. Oder wenn du woanders hin möchtest. Zum Beispiel in eine andere Umgebung. Sehnsucht taucht auf, wenn du dir Bedingungen vorstellst, unter denen es dir besser gehen müsste. Etwa eine harmonische Partnerschaft oder einen guten Job, finanzielle Sicherheit, Familie, Gesundheit. Also wenn du gerne einen Zustand hättest, den du nicht hast – oder nicht zu haben glaubst. Dann hast du Sehnsucht. Dann suchst du etwas, was scheinbar fehlt oder verloren ist.

Es besteht keine Hoffnung, dass du dich selbst jemals kennen lernst.

Es gibt nur richtige Schritte. Nur richtige Bemühungen. Das Selbst weis hundertprozentig, was das Selbst braucht, um zu sich selbst zu finden. In jedem Moment weis es das hundertprozentig und macht immer den richtigen Schritt zu sich selbst.

Wenn du dich im anderen vollkommen erkennst und wenn es keine Trennung gibt zwischen dir und dem anderen, dann ist Liebe gleich Selbsterkenntnis. Du erkennst: Das, was du bist, ist das, was der andere ist. Wo es dich und den anderen nicht mehr gibt, da ist nur noch Liebe.

Ich rede nicht davon, was ich bin. Ich werde mich nie definieren können. Ich werde mich nie erkennen können. Ich werde nie wissen, was ich bin. Doch ich weis hundertprozentig, dass ich bin. Und dass alles, was kommt und geht, was als Zustand, als Erscheinung, als Information stattfindet, da ist, weil ich bin. Ich bin nicht da, weil etwas erscheint. Ich bin die Urbedingung. Der Urgrund, damit überhaupt etwas passieren kann.
 

 

 

 

 


Karl Renz: Das Karussell

Willkommen! Willkommen auf dem Jahrmarkt! Wie ich sehe, sitzt du schon auf dem Karussell! Toll, wie du fährst! Du hast einen schnittigen Wagen. Du hast ein Gaspedal. Du kannst sogar bremsen. Aber vor allem hast du ein Lenkrad. Damit kannst du mächtig kurbeln, und das tust du auch. Komischerweise geht es immer nur im Kreis. Du lenkst nach links und nach rechts und bremst und tust, aber es geht immer nur in eine Richtung.
So kurbelt dein Ich. Das sogenannte Ego. Es lenkt nach links, es lenkt nach rechts, und ist nicht immer ganz zufrieden mit dem Ergebnis. „Ich sehe mal nach den anderen“, denkt es. „Wie fahren denn die? Wie stellt der da drüben sich an?“ Der legt sich entschieden mehr in die Kurve. Das machst du nun auch. Aber es geht weiter im Kreis. Ab und zu hält das Karussell. Kurze Pause. Die Tibeter nennen es „Bardo“. Dann suchst du dir ein anderes Fahrzeug. „Vielleicht nehme ich auch mal das Pferd. Jetzt reite ich mal 'ne Ecke. Wahrscheinlich ist das meine Bestimmung!“ Sehr klug von dir. Oder richtig weise: Du nimmst den kleinen Roller, weil du nach all den ermüdenden Runden inzwischen voller Demut und Bescheidenheit bist.
Ja, dein Ich ist bei all der Kurbelei mächtig gereift. Und wenn du mal zufällig in die gleiche Richtung lenkst, wie das Karussell fährt, kannst du endlich triumphieren: „Wow, das habe ich aber gut gemacht! Ich glaube, jetzt habe ich es raus!“ Nun hast du entdeckt, wie die ganze Sache funktioniert. „Ich habe voll die Kontrolle, seht mal her!“ Du befindest dich in Harmonie mit dem Kosmos, in Übereinstimmung mit der Schöpfung. Ein derartig stimmiges Ich lenkt genau so, wie das Karussell fährt. „Seht doch mal, wie ich lenken kann! Das ganze Karussell bewegt sich, weil ich so lenke! Hier, ich, hierher sehen!“ Wenn du die Kunst so unvergleichlich beherrschst, kannst du sogar den anderen sagen, wie sie fahren müssen. „So müsst ihr’s machen! Wie ich!“
Jetzt bist du ein voll erwachter Fahrer. „Ihm nach“, rufen ein paar andere begeistert. Am besten, du übernimmst gleich den Bus: „Alle bei mir einsteigen und hinter mich setzen! Ich bin eins mit dem Karussell!“ Dann bist du ein Guru. Wenn du mehr im Stillen wirken willst, kannst du natürlich auch andere wichtige Aufgaben übernehmen, zum Beispiel das Feuerwehrauto fahren. Oder den Krankenwagen. Oder du fährst einfach hinter dem Krankenwagen her, sicherheitshalber.
Wichtig bei alledem ist nur, dass du den Überblick behältst. Dass du im richtigen Moment Gas gibst und im richtigen Moment bremst. Und vor allem, dass du mit größtem Geschick lenkst. Das hilft allen. So hältst du nicht nur dein Fahrzeug perfekt auf dem Weg. Du trägst zur gelungenen Fahrt des gesamten Karussells bei! Wenn nur jeder so fahren würde! Du hast alles im Griff.
Bis du mal versehentlich den Lenker loslässt. Nanu! Jetzt wunderst du dich. Es geht ja auch von allein! Das Ding fährt von selbst! Stimmt. Es fährt selbst. Das Selbst fährt. Du brauchst dich nicht anzustrengen. Du kannst dich zurücklehnen und genießen. Es geht immer direkt ins Glück.

Ein kostenloses ebook von Karl Renz in Englisch (in deutsch ist es "Das Buch Karl" - Erleuchtung und andere Irrtümer) hier

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