Beschäftigung ist ausgesprochen destruktiv
Auszug aus "Tantra - die höchste Einsicht" von Osho, http://www.innenwelt-verlag.de

Beschäftigung ist ausgesprochen destruktiv - sie zerstört dich und sie zerstört andere. Seht den feinen Unterschied. Wenn du zum Beispiel hungrig bist, dann isst du; das ist Handeln. Aber wenn du nicht hungrig bist und trotzdem immerzu isst, dann ist das Beschäftigung. Solches Essen ist gewalttätig - du zerstörst Nahrung, du mahlst mit den Zähnen und zerstörst Nahrung. Das erleichtert dich ein bisschen von deiner inneren Unruhe. Du isst nicht aus Hunger, sondern einfach aus einem inneren Zwang heraus, einem Drang nach Gewalttätigkeit.

In der Tierwelt wird Gewalt mit Händen und Maul assoziiert - mit Klauen und Zähnen. Das sind die beiden Waffen in der Tierwelt. Beim Essen arbeiten beide zusammen. Mit den Händen greifst du die Nahrung und mit dem Mund isst du sie - das setzt Aggression frei. Aber wenn es ohne Hunger geschieht, ist es keine Handlung, sondern etwas Krankhaftes. Es ist eine hektische Beschäftigung. Natürlich kann man nicht ununterbrochen essen, sonst platzt man ja. Also haben die Leute Tricks entwickelt: Pan oder Kaugummi zu kauen, oder Zigaretten zu rauchen - unechte Nahrungsmittel, ohne jeden Nährwert, aber sie erfüllen ihren Zweck als Blitzableiter der Gewalt.

Jemand sitzt und kaut Kaugummi - was tut er wirklich? Er bringt jemanden um. Wenn er in seine unbewussten Gedanken blicken könnte, sähe er, dass sie voll von Mord und Totschlag sind. Dabei kaut er nur harmlos seinen Kaugummi - eine denkbar unschuldige Tätigkeit. Er tut niemandem etwas zuleide, aber er schadet sich selbst enorm, weil er sich nicht im Geringsten darüber im Klaren ist, was er wirklich tut. Was tut jemand, der raucht? Scheinbar etwas sehr Harmloses: Den Rauch einatmen und ausatmen, eine Art krankhaftes Atem-Yoga, Pranayama, oder eine Art verweltlichte Transzendentale Meditation. Er schafft sich eine Art Mandala, er holt den Rauch ein und stößt ihn wieder aus, dadurch entsteht ein Mandala, eine kreisförmige Bewegung. Das Rauchen wird zu einer Art Sing-Sang. Das beschwichtigt, man wird ein bisschen gelöster.

 

Wenn du dich mit jemanden unterhältst und dein Gesprächspartner fängt an nach seinen Zigaretten zu suchen, dann ist das fast ein hundertprozentiges sicheres Zeichen, dass er sich gelangweilt fühlt, dass du jetzt das Gespräch beenden solltest. Er wäre dich jetzt gerne los, aber er kann dir das nicht so grob sagen, das wäre unhöflich. Stattdessen sucht er nach einer Zigarette. er sagt damit: "Schluss jetzt, ich hab genug." In der Tierwelt hätte er dich angegriffen, aber das kann er nicht - er ist ein zivilisierter Mensch. Stattdessen fällt er über die Zigaretten her, er fängt an zu rauchen, Jetzt hat er sich von dir freigemacht, jetzt hat er sich in den rhythmischen Zyklus seines Rauch-Sing-Sangs zurückgezogen. Das beruhigt. Aber solche Beschäftigungen zeigen dir nur, dass du getrieben wirst. Du kannst nicht bei dir selber bleiben, du kannst nicht still bleiben, du erträgst es nicht, unbeschäftigt zu sein. Durch deine Geschäftigkeit hast du ein ständiges Ventil für den Wahnsinn in dir, deinen Irrsinn. Handeln ist etwas Herrliches, Handeln ist ein spontanes eingehen auf die Umstände - das Leben erfordert spontanes Antworten. Jeden Augenblick musst du handeln, aber dies Handeln kommt aus dem gegebenen Augenblick. Du bist hungrig und kümmerst dich um Nahrung. Du bist durstig und gehst zum Brunnen. Du bist müde und legst dich schlafen. Du handelst ganz aus der Situation heraus - so wie sie ist. Handeln ist spontan und total.

Geschäftigkeit ist niemals spontan, sie kommt immer aus der Vergangenheit. Sie mag sich über Jahre hinweg aufgestaut haben: Jetzt ergießt sie sich in die Gegenwart - ohne jeden Bezug dazu. Aber der Verstand ist nie um schlaue Erklärungen verlegen, wenn es darum geht, solche Geschäftigkeit zu rationalisieren. Der Verstand findet immer Mittel und Wege, nachzuweisen, dass es sich nicht um eine sinnlose Beschäftigung handelt, sondern um eine notwendige Handlung.

Du kannst zum Beispiel aus heiterem Himmel in Wut geraten. Alle um dich herum sind sich sofort im Klaren, dass es völlig unnötig ist, dass die Situation nicht das Geringste damit zu tun hat, dass dein Verhalten einfach unnötig ist - nur, dass du das nicht merkst. Alle andern denken: "Was macht der bloß? Das war doch wirklich nicht nötig. Warum wird er so wütend?" Aber du bist nicht um Rationalisierungen verlegen. Du kannst begründen, warum dein Benehmen notwendig war. Mit solchen Rationalisierungen drückst du dich davor, deinem inneren Wahnsinn ins Auge zu sehen. Das sind die Schutzmittel, die Gurdjieff immer "Puffer" nannte. Mit Hilfe von Rationalisierungen baust du dir eine Pufferzone auf, die dich davor bewahrt, die wirkliche Situation eingestehen zu müssen. Puffer dienen dazu, den Schock zu absorbieren, der zwischen zwei Eisenbahnwaggons entsteht, wenn der Zug plötzlich anhält: die Fahrgäste würden sonst zu stark durcheinander gerüttelt. Deine Beschäftigungen haben nie etwas mit der realen Situation zu tun, aber die Puffer deiner Rationalisierungen bewahren dich davor, das zu erkennen. Puffer blenden dich - und so kannst du dich weiterhin in Ruhe mit Unsinn beschäftigen.

Wenn du so beschäftigt bist, kannst du dich nicht entspannen. Wie denn auch? Deine Beschäftigung ist so zwanghaft, du musst etwas tun, ganz gleich, was es ist. Es gibt überall auf der Welt Narren, die sagen: "Tu lieber was, statt die Hände in den Schoß zu legen". Und dann gibt es die ganz großen Narren, die sich sogar ein Sprichwort ausgedacht haben, das auf der ganzen Welt bekannt ist: "Nichtstun ist des Teufels Werkstatt". Absolut nicht.

Nichtstun ist die Werkstatt Gottes. Ein leerer Geist ist das Allerschönste auf der Welt, das Reinste, was es gibt. Wie sollte denn ein leerer Kopf als Werkstatt für den Teufel dienen? In ein leeres Bewusstsein kann der Teufel unmöglich eindringen. Der Teufel kann sich nur in einem Bewusstsein breit machen, in dem es zugeht wie in einem Ameisenhaufen. Dann fällt es dem Teufel leicht, dich vor seinen Karren zu spannen, dann kann er dir Mittel und Wege und Methoden zeigen, wie du dich noch mehr beschäftigen kannst. Der Teufel sagt nie: "Entspanne dich". Er sagt: "Was verschwendest du deine Zeit, Mensch tu doch was! Rühre dich! Das Leben läuft dir weg - du musst etwas tun!"

Aber alle großen Lehrmeister, alle Meister, die die Wahrheit des Lebens verwirklicht haben, haben erkannt, dass es das leere Bewusstsein ist, was in dir den Raum schafft, in den das Göttliche eindringen kann. Beschäftigung, nicht der leere Geist, dient den Zwecken des Teufels. Was soll denn der Teufel mit einem leeren Geist anfangen? Er wird nicht einmal wagen, ihm nahe zu kommen, weil ihn die Leere einfach töten würde. Aber wenn du von einem tiefen Drang, einem wahnsinnigen Beschäftigungsdrang getrieben wirst, dann hat dich der Teufel leicht in der Hand, dann kann er dich gängeln - dann gibt er unangefochten den Ton an.

Ich möchte euch ausdrücklich sagen, dass dieses Sprichwort grundfalsch ist. Der Teufel muss es sich selber ausgedacht haben. Hütet euch vor dieser Besessenheit, ständig etwas tun zu müssen. Und hüten könnt ihr euch nur, indem ihr euer eigenes Leben im Auge behaltet. Denn wenn ich dir etwas sage, oder auch Tilopa, hilft dir das nicht viel weiter - du selbst musst diese Sinnlosigkeit deiner Beschäftigungsmanie begreifen. Du musst erkennen, dass sie nicht nötig ist. Die Frage ist, warum gibst du ihr nach?

-Osho-


Was ich noch zu sagen hätte:
Nicht nur, wenn jemand in einem Gespräch nach Zigaretten sucht, ist das ein Zeichen dafür, dass das Gespräch jetzt sein Ende finden sollte, sondern auch, und das ist meine eigene Erfahrung, wenn der Gegenüber ständig das Gespräch unterbricht mit Fragen, die das Thema gar nicht betreffen. Oder, das ist noch frappierender, wenn jemand plötzlich Witze einstreut. Das ist ein sicheres Zeichen für unbewusste Gesprächspartner, die weder Interesse an deinem Thema haben noch dich als Person achten. Sie schlafen tief und fest in ihrem selbst erstellten Gefängnis der Illusion und Beschäftigung. Das ist nicht weiter schlimm, nimm es klar wahr und verlasse somit selbst das Gefängnis. Nur das Ego ist entrüstet über solche Gesprächspartner, und das Ego selbst ist eine Illusion.
Herzlichst Marion


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