Akzeptieren ist der Anfang
Auszug aus "Emotional bewusst" von Osho, http://www.arkana-verlag.de

Das größte Verlangen auf dieser Welt ist das nach Transformation. Das Verlangen nach Geld ist nichts dagegen, mehr Macht oder Prestige zu erlangen ist gar nichts - das größte Verlangen ist das so genannte spirituelle Verlangen. Wenn du dich mit diesem Verlangen identifizierst, wirst du für immer unglücklich sein. Transformation ist möglich, aber nicht wenn wir danach verlangen. Transformation ist nur dann möglich, wenn wir uns entspannen in das, was ist, was immer es ist. Transformation geschieht, indem du dich selbst bedingungslos akzeptierst.
Wir werden uns tiefer mit diesem Phänomen beschäftigen müssen, weil im Grunde jeder Mensch in dieser Situation ist.

Der Mensch lebt im Leid, er ist gepeinigt, deshalb sucht jeder nach Glückseligkeit, nach einem Zustand des Einsseins mit dem Ganzen. Der Mensch fühlt sich entfremdet, entwurzelt. Aus diesem Grund ist es nur natürlich, wenn er nach Wurzeln in der Existenz sucht, um wieder zu wachsen und aufzublühen.

Über diese Dinge sollte man meditieren. Um das perfekte Einssein mit dem Ganzen zu realisieren, muss das Bewusstsein zuerst in sich eins sein. Und das ist nur dann möglich, wenn wir nichts von dem ablehnen, was wir als wirklich erfahren. Dies müssen wir zuallererst verstehen.

Du empfindest Angst, und diese Angst ist eine existenzielle Wirklichkeit, eine erfahrene Wirklichkeit, sie ist vorhanden! Du kannst sie ablehnen, und indem du sie ablehnst, unterdrückst du sie. Indem du sie unterdrückst, entsteht eine Wunde in deinem Wesen. Du empfindest dich als feige. Du kannst es vielleicht schaffen, die Angst zu ignorieren, aber sie bleibt eine Tatsache, eine Realität. Nur weil du sie nicht beachtest, verschwindet sie noch lange nicht. Du benimmst dich wie der Vogel Strauss, der seinen Kopf im Sand versteckt, wenn er den Feind oder die Todesgefahr sieht. Aber dadurch dass er seinen Kopf in den Sand steckt und nicht hinschaut, wird der Feind nicht verschwinden. In Wirklichkeit wird der Strauß dem Feind gegenüber sogar noch verletzlicher, indem er glaubt, dass der Feind nicht da ist, weil er niemanden sieht, indem er glaubt, dass nur das Sehen den Feind real macht, verliert er seine Angst. Tatsächlich ist er jedoch in größter Gefahr, der Feind ist stärker, weil er nicht bemerkt wird.

Nur wenn der Strauß seinen Kopf nicht versteckt, ändert sich die Situation. Aber alle stecken den Kopf in den Sand. Du siehst deine Feigheit, du versuchst sie nicht zu beachten, aber sie ist eine Tatsache. Indem du sie nicht beachtest, spaltest du einen Teil deines Wesens ab, den du bald nicht mehr sehen kannst. Du spaltest dich selbst in zwei Teile. Eines Tages ist es etwas anderes, zum Beispiel Wut, und du willst nicht akzeptieren, dass du wütend bist. Du schaust einfach nicht hin. Dann taucht eines Tages Gier auf und so weiter und so fort. Was immer du nicht wahrhaben willst, wird dableiben; aber du wirst immer mehr schrumpfen. Viele Teile deines Wesens sind jetzt von dir abgetrennt, und du selbst hast es getan. Je gespaltener du bist, desto unglücklicher wirst du sein.

Der erste Schritt in Richtung Glück besteht darin, wieder eins zu sein. Alle Mystiker haben dies immer wieder betont. Einssein ist eine solche Glückseligkeit, aus vielem zu bestehen ist die Hölle. Was immer du also als real erfährst, akzeptiere es. Indem du die Realität verneinst, erreichst du gar nichts. Indem du sie verneinst, schaffst du ein Problem, und das Problem wird immer vielschichtiger.

Es war doch ganz einfach: Du fühltest dich wie ein Feigling, na und? "Also bin ich ein Feigling." Nimm einfach nur die Tatsache wahr! Du bist schon tapfer geworden, wenn du Feigheit akzeptieren kannst. Nur ein mutiger Mensch kann Feigheit akzeptieren, ein Feigling könnte das niemals. Du befindest dich bereits auf dem Weg zu Verwandlung. Nichts, was als Tatsache erfahren wird, sollte verleugnet werden; dies ist der erste Schritt.

Zweitens: Um dies zu erreichen, muss sich das Bewusstsein von allen fixen Ideen lösen, mit denen es sich identifiziert. Wenn der Verstand an seinen Vorstellungen, wer du bist, festhält, an irgendeinem festgelegten, dauerhaften Konzept von dir selbst, dann wird es in dir keinen Raum geben für eine Realität, die seinen Ideen widerspricht. Wenn du bereits eine bestimmte Idee hast, wie du sein solltest, dann kannst du die erfahrbare Wirklichkeit deines Wesens nicht akzeptieren. Wenn du die Idee hast, dass du mutig sein musst, dass Tapferkeit etwas wertvolles ist, dann ist es schwierig, deine Feigheit zu akzeptieren. Wenn du die Idee hast, wie ein Buddha sein zu müssen, voller Mitgefühl, dann kannst du deine Wut nicht akzeptieren. Es sind die Ideale, die die Probleme erzeugen.

Wenn du keine Ideale hast, dann gibt es überhaupt kein Problem. Wenn du ein Feigling bist, bist du eben ein Feigling! Da es kein Ideal von Tapferkeit für dich gibt, verurteilst du die Tatsache nicht, du lehnst sie nicht ab, du unterdrückst sie nicht, du wirfst sie nicht in den Keller deines Wesens, um sie nie wieder anschauen zu müssen.

 

Was immer du ins Unbewusste wirfst, wird von dort aus agieren; es wird dir immer wieder Probleme machen. Es ist wie eine Krankheit, die du nach innen verdrängt hast. Sie kam gerade an die Oberfläche, und dort hätte sie die Möglichkeit gehabt, zu verschwinden. Es ist gut, wenn eine Wunde ans Tageslicht kommt, dann ist sie auf dem Weg der Besserung, denn nur an der Oberfläche kommt sie in Kontakt mit frischer Luft und Sonnenlicht und kann geheilt werden. Wenn du sie nach innen verdrängst, wenn du sie nicht an die Oberfläche kommen lässt, dann entwickelt sie sich zu einem Krebsgeschwür. Selbst eine leichte Krankheit wird gefährlich, wenn man sie unterdrückt.

Keine Krankheit sollte jemals unterdrückt werden. Aber es ist normal sie zu unterdrücken, wenn du ein Ideal hast. Jedes Ideal wirkt auf diese Weise. Wenn dein Ideal Keuschheit ist, dann wird Sex zum Problem. Du kannst ihn nicht unter Kontrolle halten. Wenn du aber nicht das Ideal hast, keusch zu sein, dann lehnst du Sex nicht ab. Dann besteht keine Trennung zwischen dir und deiner Sexualität. Dann entsteht Verbundenheit, und diese Verbundenheit schenkt Freude. Die Verbundenheit mit dir selbst ist die Grundlage aller Freude.

-Osho-

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