Atheismus und Theismus sind Kopfgeburten
Auszug aus "Die Saat der Weisheit"

Ich bin nicht gottesfürchtig. Furcht bringt euch nicht zu Gott. Nur völlige Furchtlosigkeit kann euch dorthin bringen.
Ich bin auch in keiner Weise gläubig.
Glauben ist blind.
Und wie kann Blindheit zur höchsten Wahrheit führen? Ebensowenig bin ich ein Anhänger irgendeiner Religion, weil man Religion nicht nach Eigenschaften unterteilen kann. Sie ist eins und unteilbar.
Als ich das gestern sagte, fragte mich jemand: "Dann bist du also ein Atheist?"
Ich bin weder ein Atheist noch ein Theist.
Diese Unterscheidungen sind oberflächlich und rein intellektuell. Sie haben überhaupt nichts mit der Existenz zu tun. Die Existenz ist nicht in ist und ist nicht zweigeteilt. Diese Unterscheidung ist nur eine Kopfgeburt. Dementsprechend sind der Atheismus wie der Theismus beides Kopfgeburten. Sie reichen nicht ins Spirituelle hinein. Das Spirituelle transzendiert sowohl das Positive als auch das Negative. Das, was ist, liegt jenseits von positiv und negativ.
Mit anderen Worten" Dort sind sie eins, dort gibt es keine Trennungslinie zwischen ihnen. Kein vom Intellekt angenommenes Konzept findet dort Zugang. In Wirklichkeit muss der Theist seinen Theismus aufgeben, und der Atheist muss seinen Atheismus aufgeben, dann können sie vielleicht in die Welt der Wahrheit eintreten. Beides sind fixe Ideen. Eine Fixe Idee ist etwas zwanghaft Auferlegtes. Wir brauchen nicht intellektuell zu entscheiden, was Wahrheit ist, sondern müssen uns nur öffnen und sie so sehen, wie sie ist.
Denkt stets daran, dass wir nicht über die Wahrheit entscheiden müssen. Wir müssen sie sehen. Wer alle intellektuellen Entscheidungen, logischen Konzeptionen, fixen Ideen und Annahmen fallenläßt, öffnet sich in diesem Zustand geistiger Unschuld der Wahrheit, so wie sich die Blumen dem Licht öffnen. Und in diesem Sich-Öffnen wird Sehen möglich.
Religiös nenne ich deshalb einen Menschen, der weder ein Theist noch ein Atheist ist. Religiosität ist ein Sprung aus dem Begriff der Vielheit in die Einheit. Wo es keine Gedanken gibt, nur Abwesenheit von Gedanken, wo es keine Wahl gibt, nur Wahllosigkeit, wo es keine Worte gibt, nur Wortlosigkeit, dort betreten wir Religion.

-Osho-

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