Sex und Tod sind beinahe eine Energie
Auszug aus "Diamanten auf dem Weg" von Osho, http://www.oshomedia.de

"Geliebter Meister, in den letzten Wochen hatte ich starke Gefühle, die mit Sex und Tod zu tun hatten. Ist es notwendig, dass ich verstehe, warum?"

Osho: "Es ist immer notwendig zu verstehen, wie dein "Mind" funktioniert, wie es deinem Herzen geht und was in deiner Innenwelt vorgeht. Wenn du versuchst, es zu verstehen, bekommst du einen gewissen Abstand von diesen Dingen, und es wird dir bewusst, dass sie zwar da sind, du aber nicht damit identifiziert bist. Das ist die große Alchemie des Verstehens. Versuche, alles zu verstehen, was in dir vorgeht. Allein die Tatsache, dass du versuchst, trennt dich davon. Es wird zum Objekt. Du selbst kannst nie zum Objekt werden, du bist immer das Subjekt. Es ist unmöglich, deine Subjektivität zum Objekt zu machen. Auf diese Weise entsteht ein guter Abstand zwischen dir und deinen Gefühlen, welcher Art sie auch sein mögen. Das zum Einen.

 

Zum Zweiten: Dieser Abstand gibt dir die Möglichkeit zu verstehen, was mit dir passiert. Nichts geschieht ohne Grund. Und manchmal sind es Dinge, die sehr fundamental sind. Diese Frage ist zum Beispiel eine der grundlegendsten Fragen: Die Verbindung zwischen Sex und Tod. Wenn du sie klar sehen kannst, wird der Abstand zwischen Tod und Sex allmählich verschwinden, und sie werden beinahe zu einer Energie werden.

 

Sex ist vielleicht Tod auf Raten. Und Tod ist Sex im Großhandel. Aber es ist jedenfalls eine Energie, die an beiden Enden wirkt. Sex ist der Anfang des Lebens, und der Tod ist das Ende desselben Lebens; sie sind also die beiden Enden einer Energie, zwei Pole einer Energie. Sie können nicht ohne Verbindung sein.

 

Tod und Sex erinnern mich an eine Spinne, die man in Afrika gefunden hat. Bei dieser Spinne kommen Tod und Sex einander sehr nahe. Beim Menschen beträgt der Abstand siebzig, achtzig Jahre, doch bei dieser spezifischen Spinnenart gibt es keinen Abstand. Das Spinnenmännchen liebt nur einmal im Leben. Während des Liebesspiels, im Moment des Orgasmus, fängt das Weibchen an, ihn zu verspeisen. Aber das Männchen ist so euphorisch, dass es ihm nichts ausmacht, gefressen zu werden. Und wenn sein Orgasmus vorbei ist, ist es auch mit ihm vorbei. Tod und Sex sind sich so nahe, aber ob nah oder fern - sie sind nicht zwei verschiedene Energien. Deshalb kann man spüren, wie sie zusammen entstehen. Es ist gut, sie zusammen zu sehen; es zeugt von großem Verständnis. Denn die Leute sehen es normalerweise nicht. Sie sind fast blind, sie verbinden den Tod nie mit Sex. Vielleicht ist es eine unbewusste Angst, die sie daran hindert, diese Verbindung herzustellen. Denn wenn sie Tod und Sex verbinden, bekommen sie vielleicht auch Angst vor dem Sex, und das gefährdet die Erfüllung des biologischen Zwecks.

Für die Biologie ist es besser, diese Verbindung nicht zu machen. Man hat beobachtet, wenn Leute geköpft werden - und es gibt immer noch Länder, wo das passiert ... die merkwürdige Beobachtung dabei ist, dass der Mann in dem Moment, wo er geköpft wird, eine Ejakulation hat, und das ohne Ausnahme. Es ist seltsam, denn wenn einem gerade der Hals gebrochen wird, ist das denn der Moment für eine Ejakulation? Aber er kann es nicht kontrollieren. Wenn der Tod bei ihm eintritt und das Leben ihn verläßt, dann ist es nur natürlich, dass ihn auch seine sexuelle Energie verläßt. Sie war ein Teil der ganzen Sache, und es gibt keinen Grund, warum sie in seinem Körper bleiben sollte.

 

Die Frage ist bedeutungsvoll. Sie bedeutet nicht, das du bald stirbst, Sie bedeutet nur, dass deine sexuelle Energie ihren höchsten Gipfel erreicht. Deshalb spürst du auch den Tod. Er wäre nicht spürbar, wenn deine sexuelle Energie freigesetzt würde.

 

Wer immer diese Frage gestellt hat, hat bestimmt gerade keinen Geschlechtsverkehr. Die Energie sammelt sich an und erreicht eine solche Intensität, dass man sich automatisch an den Tod erinnert. Wenn du bewusst stirbst, bringt dir der Tod den größten Orgasmus, den du je im Leben hattest.

 

Übrigens lebt die Frau länger als der Mann, ist gesünder als der Mann, ist widerstandsfähiger gegen Krankheiten, wird nicht so leicht verrückt wie der Mann und begeht nicht so leicht Selbstmord. Das könnte daran liegen, dass ihre sexuelle Energie negativ ist. Die positive Energie ist die aktive Kraft, die negative Energie ist die absorbierende Kraft.

 

Vielleicht hat sie wegen dieser negativen, absorbierenden Energie einen gesünderen Körper, ist widerstandsfähiger und lebt länger. Und wenn es die Biologie zuwege brächte, die Frau von ihrer monatlichen Periode zu erlösen, könnte sie noch länger noch gesünder leben. Sie könnte wirklich das stärkere Geschlecht werden.

 

Die Vorstellung, dass Sex und Tod zusammen kommen, zeigt einfach, dass sich sexuelle Energie ansammelt - positiv oder negativ. Und negative Energie kann länger angesammelt werden.

Ich habe sogar einmal Mönche und Nonnen der Jainas beobachtet, die vielleicht in dem, was sie tun, am ehrlichsten sind. Es mag idiotisch sein, aber an ihrer Ehrlichkeit besteht kein Zweifel. Den Nonnen scheint es ziemlich leicht zu fallen, keusch zu leben. Aber die Mönche haben große Schwierigkeiten wie die christlichen Mönche oder andere Mönche.

 

Negative Energie heißt einfach, sie ist stiller und wartet darauf, die aktive Energie aufzunehmen. Aber sie hat keine eigene aktive Kraft. Deshalb bin ich gegen so etwas wie lesbische Beziehungen. Es ist einfach dumm - zwei negative Energien, die versuchen, zu einem orgastischen Höhepunkt zu kommen. Entweder täuschen sie etwas vor oder das, was sie Orgasmus nennen, ist nur klitoral, nicht vaginal. Und ein klitoraler Orgasmus ist nichts im Vergleich zu einem vaginalen Orgasmus. Der klitorale Orgasmus ist nur eine Art Vorspiel. Er kann helfen, den vaginalen Orgasmus herbeizuführen, aber er kann ihn nicht ersetzen.

 

Es ist wirklich erstaunlich, dass etwas so Intimes wie der Liebesakt im Dunkeln geblieben ist. Ich erkläre - und zum ersten Mal in der ganzen Geschichte gibt jemand diese Erklärung ab -, dass der klitorale Orgasmus als Vorspiel äußerst hilfreich sein kann. Ansonsten haben die Psychologen bisher nie gewusst, was sie davon halten sollen, da er keine biologische Funktion hat. Um der Frage auszuweichen, haben viele Psychologen sogar behauptet, es gäbe gar keinen vaginalen Orgasmus, sondern nur einen klitoralen Orgasmus.

Der Orgasmus des Mannes kommt so schnell, dass er in dieser kurzen Zeit - ein paar Sekunden - keinen vaginalen Orgasmus herbeiführen kann. Aber wenn man nur als Vorspiel einen klitoralen Orgasmus herbeiführt, dann entstehet dadurch eine Situation, in der ein vaginaler Orgasmus kommen kann. Er hat schon begonnen; der klitorale Orgasmus hat den Prozess im Körper angeregt.

Die Männer jedoch schenken dem klitoralen Orgasmus keine Beachtung, da sie allein durch vaginalen Kontakt leicht zum Orgasmus kommen können. Sie sind nur an ihrem eigenen Orgasmus interessiert, und wenn sie fertig sind, denken sie überhaupt nicht mehr an die Frau.

Lesbische Beziehungen verbreiten sich in der Frauenbewegung, weil es ihnen den klitoralen Orgasmus bringt. Doch das ist auch eine Dummheit, denn es ist nur das Vorspiel. Es ist so, als hättest du das Vorwort von einem Buch, aber das Buch selbst fehlt. Deshalb liest du immer nur das Vorwort, so oft du willst, immer wieder, aber du kommst überhaupt nicht zum eigentlichen Buch. Wenn die Frau wartet und wartet, sammelt sie negative Energie an, die sie absorbiert. Wenn diese zuviel wird, kann die Vorstellung vom Tod kommen. Denn wenn die Frau in diesem Zustand Liebe empfindet und ein wirklich schönes orgastisches Gefühl hat, bekommt sie einen Einblick in das, was beim Tod geschieht. Dabei ist nichts zu befürchten; nichts wird zerstört. Es ist der allergrößte Höhepunkt in deinem Leben.

Wenn du dein Leben unbewusst gelebt hast, unglücklich und leidend, dann wirst du, bevor der Tod kommt, zwangsläufig ins Koma fallen. Dann erlebst du nicht den Orgasmus oder das Bewusstsein, dass sich der Tod gar nicht bei dir einstellt, bei deinem Sein, sondern nur bei deinem Körper, bei dem Vehikel, das du bis jetzt benutzt hast.

Wenn die Frage von einem Mann stammt, hat sie dieselbe Bedeutung. Aber ein Mann kann nur selten solche Höhen erreichen, dass er beginnt, an den Tod zu denken, Seine Energie ist so dynamisch, so aktiv, dass sie entladen wird, bevor er zu einem solchen Höhepunkt kommt. Deshalb meine ich, dass die Frage von einer Frau ist.

Und niemand hat je auf die Frau gehört. Niemand hat sich im geringsten darum gekümmert, was sie empfindet, wie sie empfindet. Eines haben die Männer seit Jahrtausenden so aufgefasst - und in Indien haben wir Bilder und Statuen, die diese Erscheinung darstellen - dass der Mann in der Frau eine Art Tod spürt. Das ist ein Missverständnis. Es ist nicht die Frau, es ist eure eigene sexuelle Energie.

 

So projizieren die Männer immer alles; sie können nicht sehen, dass ihre eigene sexuelle Energie sie dem Tod nahe bringt. Und sie können es nicht so klar sehen, weil ihre sexuelle Energie niemals solche Höhepunkte erreicht, die sie an den Tod erinnern. Aber wenn man einmal auf die Frauen hörte, hätten sie viel darüber zu sagen, was sehr weise ist.

Die weisen Frauen sind vom Christentum vernichtet worden. Sie wurden im Mittelalter zu Tausenden verbrannt. Das Wort "witch" (engl. "Hexe") bedeutet einfach "weise Frau", doch da sie so verdammt wurden, ist sogar schon das Wort eine Verurteilung. Ansonsten ist es ein Kompliment. Es ist dem männlichen Weisen ebenbürtig. Auf der ganzen Welt hat es weise Frauen gegeben, und von manchen Dingen haben nur weise Frauen etwas verstanden.

Diese Statuen und Bilder in Indien wirken sehr seltsam, wenn man diese Dinge nicht versteht. Es gibt zum Beispiel den liegenden Shiva, und seine Frau Shivani, tanzt auf seiner Brust, in einer Hand ein gezogenes Schwert, in der anderen einen soeben abgeschlagenen Kopf. Um den Hals hat sie eine Girlande von bluttriefenden Köpfen, und sie tanzt wie eine Wilde. Es sieht aus, als ob sie auch Shiva gleich töten wird. Ihr Tanz ist so wild, und die Frau ist im Zustand solchen Wahnsinns, dass es keine Hoffnung für Shiva gibt.

Was ich gesagt habe, hat mit solchen Erfahrungen zu tun. Im Osten hat man auf die Frau gehört. So etwas wie im Westen hat es nie gegeben, dass solche Frauen umgebracht und verbrannt wurden. Auf weise Frauen hat man immer gehört, und ihre Weisheit ist angenommen worden, denn sie sind die Hälfte der Menschheit. Die Weisheit des Mannes ist nur halb; wenn die Weisheit der Frau nicht auch angenommen wird, kann Weisheit niemals etwas Ganzes sein. Sie muss gefragt werden, wie die Erfahrung von ihrer Seite aussieht.

Besonders im Osten haben sich die Frauen bei orgasmischen Erfahrungen dem Tod sehr nahe gefühlt, fast als schwebe er um sie herum. Ich sage, besonders im Osten, denn bevor die Menschen auch hier durch repressive Ideologien gespalten und schizophren wurden, hat man im Osten den Sexualakt so lange aufgeschoben, bis der Drang seinen Höhepunkt erreichte.

Es war also nicht so, dass man jeden Tag Sex haben musste. Die Partner warteten so lange, bis beide einen Zustand erreicht hatten, wo sie sich nicht länger zurückhalten konnten. Natürlich waren diese Leute viel weiser. Vielleicht hatten sie nur einmal in der Woche oder einmal im Monat Sex, aber ihre Liebe brachte ihnen so ungeheuer tiefe Erfahrungen, wie man sie bei der alltäglichen Liebe nicht machen kann.

 

Ihr habt nicht genügend Energie für derartig großartige Erfahrungen. Ihr müsst an die äußerste Grenze eurer Kontrolle kommen und vor Energie pulsieren, dann ist es wirklich ein Tanz, ein zusammentreffen und verschmelzen von zwei Energien. Und am höchsten Gipfel kann dann auch der Mann spüren, dass der Tod ihn umgibt. Das Gefühl des Todes ist da, denn es ist alles eine Energie. Doch sobald die sexuelle Energie entladen ist, verliert sich das Gefühl des Todes.


-Osho-

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