"Der Idealzustand des Denkens"
Auszug aus "
Den Klang der Stille hören" von Osho

WAS IST MEDITATION? IST ES EINE TECHNIK, DIE PRAKTIZIERT WERDEN KANN? Muss man sich darum bemühen? Ist es etwas, das der Verstand leisten kann? Nein das alles nicht. Was immer der Verstand, zu leisten vermag, kann nicht Meditation sein. Sie entzieht sich dem Verstand, da ist der Verstand absolut hilflos. Der Verstand kann nicht bis zur Meditation vordringen: Genau dort, wo der Verstand aufhört, beginnt Meditation.

Das darf man nie vergessen; denn was immer wir im Leben tun, das tun wir durch den Verstand. Was immer wir zustande bringen, leisten wir durch den Verstand. Aber dann wenn wir uns nach innen wenden, beginnen wir wieder nach Techniken und Methoden zu suchen. weil uns unsere ganze Lebenserfahrung lehrt, dass der Verstand alles vermag. Ja, außer Meditation
vermag der Verstand alles. Alles vermag der Verstand – nur nicht Meditation. Denn Meditation ist keine Leistung, sie ist bereits da – sie ist deine Natur. Sie muss nicht geleistet werden, nur wieder erinnert werden. Sie ist da und wartet auf dich – nur eine Wendung nach innen, und schon steht sie dir offen. Du hast sie seit eh und je dabei gehabt.
 


Meditation ist dein angeborenes Wesen. Du bist sie, sie ist dein Dasein. Sie hat nichts mit deinem Tun und Lassen zu tun. Du kannst sie nicht haben. Du kannst sie nicht nicht haben. Sie lässt sich nicht besitzen, Sie ist keine Sache, sie ist du, sie ist dein Dasein. Sobald du verstehst, was Meditation ist, wird plötzlich alles klar. Andernfalls kannst du weiter im Dunkeln tappen.

Meditation ist ein Zustand von Klarheit, kein gedanklicher Zustand. Denken heißt Verwirrung. Das Denken ist nie klar, kann es nicht sein. Die Gedanken umhüllen dich mit Wolken, mit fast unsichtbaren Wolken. Sie nebeln dich ein und die Klarheit ist dahin. Wenn die Gedanken verschwinden, wenn keine Wolken dich mehr einhüllen, wenn du in deinem einfachen Sosein bist, tritt Klarheit ein. Dann kannst du in weite Ferne sehen, dann reicht deine Sicht bis ans Ende der Existenz. Dann wird dein Blick durchdringend, bis hinein in den Kern des Seins.
 
Meditation ist Klarheit, absolut klare Sicht. Da gibt es nichts nachzudenken: Da musst du zu denken aufhören. Wenn ich sag, du musst zu denken aufgeben, darfst du keine voreiligen Schlüsse ziehen. Ich muss mich sprachlich ausdrücken, damit sage ich: “Hör auf zu denken!“ – aber wenn du nun mit Macht damit aufhören willst, liegst du daneben – weil du es dann auf bloßes Handeln reduzierst. Hör auf zu denken, bedeutet einfach: tu gar nichts. Sitze. Sollen sich die Gedanken von selbst legen. Soll der Verstand doch selbst aufhören. Sitze einfach nur in einem stillen Winkel und  starre auf die Wand – ohne einen Finger zu rühren. Entspannt, locker, unangestrengt vor dich hintreibend, so als würdest du mit offenen Augen einschlafen. Innen drin bleibst du hellwach und dein ganzer Körper entspannt sich zutiefst. Die Gedanken legen sich ganz von selbst. Du brauchst dich nicht einmischen, du brauchst sie nicht maßregeln. Das ist so wie wenn ein Bach schlammig geworden ist: Was kannst du schon tun? Springst du hinein und fängst an dem Bach zu helfen wieder aufzuklaren? – du wirst ihn noch schlammiger machen.
Nein du sitzt einfach am Ufer. Du wartest. Es gibt nichts zu tun, denn alles was du machst wird den Bach schlammiger machen. Wenn jemand durch den Bach gewatet ist und das tote Laub ist an die Oberfläche gekommen, der Schlamm wurde aufgewirbelt, dann braucht es nur Geduld. Sitz einfach am Ufer. Beobachte unbeteiligt: Der Bach fließt immer weiter, das tote Laub wird fortgetragen – und der Schlamm kann nicht ewig bleiben, er wird sich setzen. Nach einem Weilchen wird dir plötzlich bewusst: Der Bach ist wieder kristallklar.

Sobald dir ein Wunsch durch den Kopf geht wird der Bach wieder  schlammig. Setz dich einfach hin. Unternimm gar nichts. In Japan nennt man dieses reine Sitzen Zazen: einfach dasitzen und nichts tun. Und eines Tages geschieht Meditation. Nicht, das du sie dir holst – sie kommt von selbst zu dir. Und sobald sie da ist, erkennst du sie. Sie war seit jeher da, aber du hast nicht in die richtige Richtung geschaut. Du hattest den Schatz jeher dabei, aber du warst woanders beschäftigt: mit Gedanken, mit Wünschen, mit tausend und einer Sache. Nur eins hat dich nicht interessiert – und zwar dein eigenes Wesen.

Wenn die Energie nach innen geht – Buddha nennt das Paravritti, wenn deine Energie sich wieder ihrer Quelle zuwendet – gewinnst du plötzlich Klarheit. Dann kannst du Wolken aus tausend Meilen Entfernung erkennen, und dann kannst du den Klang der Stille vernehmen. Dann ist dir alles erschlossen.

Ehe wir auf diese schöne Zen-Geschichte eingehen, gilt es ein paar Dinge bezüglich des Verstandes zu verstehen. Den je besser ihr die Mathematik des Verstandes versteht, desto größer die Möglichkeit das ihr euch nicht einmischen werdet. Je besser ihr versteht, wie der Verstand funktioniert, desto größer die Möglichkeit, dass ihr in Zazen sitzen könnt, dass ihr es fertig bringt einfach dazusitzen – dazusitzen und nichts zu tun – dass ihr es fertig bringt die Meditation geschehen zu lassen. Sie ist ein Geschehenlassen.

Aber zu verstehen wie der Verstand funktioniert, ist nützlich. Andernfalls könnte es euch ständig passieren, dass ihr den Verstand anspornt, ja geradezu bestärkt. Das Wichtigste am Verstand ist, das er ein ständiges Palaver ist. Ob du sprichst oder nicht, er redet innerlich ständig vor sich hin, ob du wachst oder schläfst, das innere Gerede geht ununterbrochen weiter. Du kannst arbeiten, aber das innere Gerede geht weiter. Ob du Auto fährst oder ein Loch im Garten gräbst, das innere Gerede geht weiter.

Der Verstand muss immerfort reden. Wenn du auch nur einen Moment lang mit dem inneren Gerede aufhören könntest, wärest du in der Lage, einen Blick in den Nicht-Verstand zu werfen. Einzig und alleine deswegen meditiert man. Der Zustand des Nichtdenkens ist der richtige Zustand; er ist dein Zustand. Aber wie erwischst du eine Pause, wo der Verstand mit dem inneren Reden aufhört? Sobald du dich einmischst, verpasst du es. Aber das brauchst du gar nicht zu versuchen: Denn im Grunde fängt die Pause unentwegt statt. Du musst nur ein wenig Acht geben: Zwischen zwei Gedanken, ja schon zwischen zwei Wörtern findet eine Pause statt. Sonst würden die Wörter ineinander verlaufen, sonst würden sich die Gedanken überlappen. Sie überlappen sich nie, egal was ihr sagt.

Wenn ihr: „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“ sagt, befindet sich zwischen eine und Rose eine Lücke, egal wie klein, wie unsichtbar, wie unmerklich. Doch die Lücke ist da, sonst würde eine nahtlos mit Rose verschmelzen. Schon ein klein wenig Wachheit, ein klein wenig Aufmerksamkeit genügt, um die Lücke zu erkennen: Eine…Rose….ist …eine…Rose…ist…eine…Rose. Die Lücke kehrt ständig wieder, nach jedem Wort kehrt die Lücke wieder. Ihr müsst anders Sehen lernen. Normalerweise nehmt ihr immer nur die Wörter wahr, ohne auf die Lücken zu achten. Ihr seht das eine, ihr seht die Rose, doch die Lücke dazwischen seht ihr nicht. Achtet nur mal drauf.

Habt ihr das schon mal gesehen? Es gibt Vexierbilder, man kann sie auf zweierlei Art und Weise betrachten: Zuerst erkennt man darauf eine hässliche Frau, aber nach einer Weile kippt das Bild um – und plötzlich kann man stattdessen eine bildhübsche junge Frau erkennen. Beide Motive sind aus denselben Linien gebildet – die alte wie die junge Frau! Hat man dann lange genug auf die junge Frau geschaut, verwandelt sie sich wieder in die alte Frau zurück, und so wechselt es ständig hin und her – weil der Verstand bei nichts länger verweilen kann……er ist immer in Bewegung. Und hat man das alte Gesicht nur lange genug angesehen, verwandelt es sich wieder in ein junges Gesicht zurück.

Eines jedoch ist bemerkenswert: Du kannst das alte und das junge Gesicht nicht gleichzeitig sehen, obwohl du genau weißt, dass sich irgendwo das andere Gesicht verbirgt – schließlich hast du es doch gesehen! Und wenn du das junge Gesicht siehst, ist das alte nicht zu erkennen. Es verschwindet, obwohl du weißt das es da ist. Aber du kannst sie nicht beide gleichzeitig sehen: obwohl du weißt das es da ist. Aber du kannst sie beide nicht gleichzeitig sehen; sie schließen einander aus. Man kann nicht beide zugleich sehen; Wenn du die Gestalt siehst verschwindet der Hintergrund, wenn du den Hintergrund siehst, verschwindet die Gestalt.

Der Verstand hat eine begrenzte Aufnahmefähigkeit; er kann Widersprüche nicht gleichzeitig wahrnehmen. Darum vermag er das Göttliche nicht zu erkennen: Das Göttliche ist ein Widerspruch. Darum vermag er nicht dein innerstes Sein zu erkennen: Es ist ein Widerspruch. Er umfasst alle Widersprüche, es ist paradox. Der Verstand kann immer nur Eins zur selben Zeit sehen, und nicht zugleich auch das Gegenteil. Wenn du das Gegenteil siehst, verschwindet Ersteres. Der Verstand nimmt immer nur die Wörter wahr, folglich kann er die stillen Lücken nach jedem Wort nicht wahrnehmen. Verändert den Fokus:

Während ihr still dasitzt, fangt an auf die Lücken zu achten – mühelos, ohne Anspannung….entspannt euch, einfach ganz einfach und spielerisch, nur zum Spaß. Ihr braucht keinen Gewissensfrage daraus zu machen, sonst werdet ihr zu ernst. Und wer zu ernst wird, dem fällt es sehr schwer, zwischen Wörtern und keinen Wörtern hin und her zu gehen. Es ist kinderleicht, wenn ihr gelöst, fließend, unernst, verspielt bleibt – als wäre es nur zum Spaß.

Millionen müssen einfach nur deshalb Meditation entbehren, weil das Wort Meditation falsche Assoziationen weckt. Es klingt ziemlich ernst und düster, irgendwie kirchlich – so als wäre das nur für Leute, die entweder tot oder fast tot sind, für finstere, ernste Leute mit langem Gesicht, die keine Feste mehr feiern können, keinen Spaß verstehen und Trübsal blasen.

Dabei ist ein wirklich meditativer Mensch spielerisch und voller Lebensfreude: Für ihn ist das Leben Leela, ein Spiel. Er genießt es in vollen Zügen. Er ist nicht ernst, sondern entspannt. Setz dich still und locker hin. Lass deine Aufmerksamkeit zu den Lücken wandern. Rutsche von den Worträndern in die Zwischenräume hinein. Lass die Zwischenräume deutlicher hervortreten und die Wörter verblassen. Das ist so, wie wenn ich einen kleinen weißen Punkt auf eine Wandtafel male: Wenn du dich entweder auf den Punkt konzentrierst – dann rückt die Tafel in den Hintergrund; oder du konzentrierst dich auf die Tafel, dann wird der Punkt unerheblich, und tritt in den Schatten. So kannst du deine Aufmerksamkeit immer abwechselnd auf das Zeichen und den Hintergrund richten.

Wörter sind Zeichen, die Stille ist der Hintergrund. Wörter kommen und gehen, die Stille bleibt. Als ihr zur Welt kamt, bestandet ihr nur aus Stille – aus lauter Zwischenräumen und Lücken. Ihr kamt mit einer unendlichen Leere, brachtet eine unbegrenzte Leere ins Leben mit. Dann fingt ihr an, Wörter zu sammeln.
 
Das ist der Grund, warum ihr, wenn ihr zurückdenkt und euch zu erinnern versucht, nicht auf das vierte Lebensjahr hinauskommt. Bis dahin ward ihr praktisch leer. Erst ab dem vierten Lebensjahr haben sich Wörter ums Gedächtnis gespeichert. Das Gedächtnis funktioniert nur mithilfe von Wörtern.

Leere hinterlässt keinerlei Spur in dir. Aus diesem Grund kannst du dich, wenn du dich erinnern möchtest, allenfalls bis ans vierte Lebensjahr erinnern, oder wenn du sehr intelligent warst, reicht dein Gedächtnis zurück bis du drei Jahre alt warst. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo alles plötzlich aufhört. Bis dahin warst du bloße Leere – rein, unberührt, unverdorben durch Wörter – warst du der reine Himmel. Am Tag, da du sterben wirst, werden sich deine Worte in alle Winde zerstreuen, wirst du wieder mit deiner Lehre weiterziehen in eine andere Welt oder in ein anderes Leben.
Leere ist dein Selbst.
Shankara hat immer die Geschichte von einem Schüler erzählt, der seinem Meister ständig die Frage stellte, was denn nun sein eigentliches Selbst sei. Der Meister habe sich dann immer taub gestellt – bis er schließlich eines Tages seinen Schüler schroff zurechtwies: “Ich lehre es dich doch, aber du willst nicht hören. Das Selbst ist die Stille.

Verstand heißt Wörter. Selbst heißt Stille. Der Verstand ist lediglich die Summe all der Wörter, die du angesammelt hast. Die Stille ist das, was du immer bei dir gehabt hast, sie ist nichts Angesammeltes. Das ist die Bedeutung von „Selbst“, es ist das womit du angetreten bist. Vor dem Hintergrund der Stille häufst du pausenlos Wörter an, und alle Wörter zusammen werden „der Verstand“ genannt. Stille ist Meditation. Es kommt nur auf eine andere Sichtweise an: nur darauf, statt der Wörter die Stille wahrzunehmen – die immer da ist.

Jedes Wort gleicht einem Abgrund: Von ihm aus kannst du ins Tal der Stille gleiten. Du kannst von jedem Wort aus in die Stille gleiten. Das ist der Zweck eines Mantras. Mantra heißt, ein einziges Wort immer wieder und wieder vor sich hin zu sagen. Wenn du dasselbe Wort immer wieder und wieder aussprichst, fängt dieses Wort an dich zu langweilen, weil dann seine Neuheit verloren geht. Du hast die Nase voll von dem Wort, du möchtest das Wort los werden. Langeweile hilft; sie hilft dir das Wort loszuwerden – auf das du leichter in die Stille gleiten kannst. Die Stille ist immer da, gleich um die Ecke. Wenn du ständig Ram, Ram, Ram wiederholst…. Wie lange hältst du das aus? Früher oder später ist es dir über, langweilig. Der Zweck eines Mantras ist, dich so sehr zu langweilen, dass du es loswerden möchtest. Das ist ein schöner Zustand, denn dann bleibt dir gar nichts anderes übrig, als in die Stille zu gleiten. Lass das Wort hinter dir und lass dich in die Lücke fallen; benutze das Wort als Sprungbrett und springe in den Abgrund.

Wenn Wörter abwechseln….was sie ständig tun, dann wird dir das normalerweise allerdings niemals zu viel. Ein neues Wort ist immer attraktiv, eine neue Idee ist immer attraktiv, ein neuer Traum, ein neuer Wunsch ist immer attraktiv. Aber wenn du merkst, dass dein Verstand einfach nur immer dasselbe sagt, wieder und wieder, dann bleibt dir nur zweierlei: einzuschlafen oder in die Stille springen. Und ich weiß, dass die meisten Leute, die mit einem Mantra arbeiten, einschlafen. Auch das ist eine Möglichkeit, die wir seit Urzeiten kennen.

Mütter wissen das sehr gut. Wenn ein Kind nicht einschläft, singen sie ein Mantra, sie nennen es Schlaflied. Sie wiederholen immer nur zwei oder drei Wörter mit monotoner Stimme, und schon wird das Kind schläfrig. Die ewige Wiederholung langweilt das Kind – und es kann nicht weglaufen, es kann nicht ausreißen, also flüchtet es sich in den Schlaf: Es sagt :“Mach du nur so weiter – ich schlaf jetzt ein!“ – und weg ist es.

Viele die Mantras chanten, schlafen ein; darum eignet sich die Transzendentale Meditation so gut für Leute, die unter Schlaflosigkeit leiden. Darum ist es so populär in Amerika, wo Schlaflosigkeit fast schon die Regel ist. Je breiter die Schlaflosigkeit wird, desto attraktiver wird Maharishi Mahesh Yogi; denn die Leute brauchen Beruhigungsmittel. Ein Mantra ist das ideale Beruhigungsmittel, aber das ist nicht sein wirklicher Zweck. Nichts ist verkehrt daran; wenn es dir hilft zu schlafen, gut – aber es ist nicht sein wirklicher Zweck. Das ist, als würde man ein Flugzeug zu einem Ochsenkarren umfunktionieren. Das geht zwar, man kann ein Flugzeug von zwei Ochsen ziehen lassen und es als Karren benutzen – nichts ist verkehrt daran, auch das wird irgendwie gehen, aber dazu ist es nicht da. Man könnte sich damit hoch in den Himmel erheben…..Man muss ein Mantra ganz gezielt einsetzen, nämlich um Langeweile zu erzeugen; und man muss nur darauf achten nicht einzuschlafen. Sonst hat es keinen Zweck. Schlaf nicht ein! Wiederhole das Mantra immer wieder und gestatte dir nicht einzuschlafen. Folglich wiederholt man das Mantra am besten stehend oder gehend, damit man nicht einschläft.

Als P.D. Ouspensky, ein bedeutender Schüler von Gurdjieff, im Sterben lag, empfahlen ihm die Ärzte Bettruhe. Er aber war rastlos und wanderte stattdessen die ganze Nacht umher. Sie meinten, er sei verrückt geworden. Er lag im Sterben, seine Energie versiegte….was sollte das also? Jetzt war Bettruhe angesagt; er würde früher sterben, wenn er so weitermachte. Aber er war unbelehrbar.

Jemand fragte: “Warum machst du das?“
Er erwiderte: “Weil ich voll bewusst sterben möchte. Ich will nicht im Schlaf sterben, sonst werd ich die Schönheit des Todes verpassen.“ Und er starb gehend.

So sollte man ein Mantra chanten: im Gehen.
Wenn Ihr mal nach Bodh Gaya fahrt, wo Gautam der Buddha zur Erleuchtung gelangte, werdet ihr beim Bodhibaum einen schmalen Pfad finden. Dies ist der Pfad, auf dem Buddha sich immer die Beine vertrat, erst meditierte er eine Stunde lang unter dem Baum, und danach lief er eine Stunde lang. „Warum?“ antwortete er: „Weil mich, wenn ich zu lange unter dem Baum sitze, der Schlaf übermannt.“

Sobald man schläfrig wird, muss man gehen, weil man sonst unversehens einschläft und das ganze Mantra umsonst war. Das Mantra soll einen ja langweilen: Man soll es so satt haben, dass man in den Abgrund springen möchte. Aber wenn du einschläfst, versäumst du den Abgrund.

Alle buddhistischen Meditationen alternieren; man macht sie zwar sitzend, aber wenn einen die Schläfrigkeit übermannt, steht man auf und meditiert im Gehen. Ist die Schläfrigkeit dann verflogen, setzt man sich hin und meditiert weiter. Wenn man so weiter macht, kommt irgendwann der Moment, da einem das Wort entschlüpft, so wie eine Schlange aus ihrer alten Haut schlüpft. Und das passiert ganz natürlich, das erfordert keinerlei Anstrengung.

Das Erste, was am Verstand auffällt ist also, dass er eine Quasselstrippe ist. Dies Gerede erhält ihn lebendig, dies Gerede ist seine Nahrung. Ohne Gerede geht der Verstand nicht weiter. Befreit euch also aus den Klauen des Verstandes, oder anders gesagt: Verabschiedet euch von diesem inneren Gequassel. Man kann sich zwar auch dazu zwingen, aber das bringt nichts. Du kannst dich dazu nicht zwingen, innerlich den Mund zu halten – so wie man sich dazu zwingen kann, äußerlich den Mund zu halten; kann man sich zwingen nur noch zu schweigen. Anfangs ist das schwer aber man kann darauf bestehen, kann seinen Verstand zwingen den Mund zu halten. Das ist möglich. Geht zum Himalaja, und dort werdet ihr genug Leute antreffen, die das geschafft haben; doch auf ihren Gesichtern werdet ihr Stumpfheit finden und keine Intelligenz. Sie haben ihre Gedanken nicht transzendiert, sondern nur abgestumpft. Sie sind nicht in eine lebendige Stille eingegangen, sondern haben ihrem Denken nur Zwang angetan und es kontrolliert.

So ähnlich wie man Kinder zwingt in der Ecke zu sitzen und sich nicht zu rühren. Seht genau hin: Sie werden rastlos, und tun sich selber Zwang an, aus Angst. Sie unterdrücken ihre Energie damit man sie nicht bestraft, Wenn man das nur lange genug durchhält…… in den Schulen müssen Kinder fünf oder sechs Stunden lang still dasitzen; nach und nach stumpfen sie ab, geht ihre Intelligenz verloren. Jedes Kind kommt intelligent zur Welt, aber praktisch neunundneunzig Prozent der Leute sterben dumm. Die ganze Erziehung stumpft den Verstand ab; aber dafür kann man auch selber sorgen.

Fromme Leute sind regelrecht verdummt, vielleicht merkt ihr es nicht, weil ihr bestimmte Vorstellungen über sie habt. Aber wer offene Augen hat und sich die traditionellen Sannyasins näher anschaut, der wird sie dumm und verblödet finden, der wird keine Anzeichen von Intelligenz oder Kreativität an ihnen entdecken. Indien hat enorm unter diesen Leuten zu leiden gehabt, Sie haben einen so unkreativen Zustand verursacht, dass das Land schon lange dahinvegetiert. Lähmung ist keine Meditation.

Bei einer Kirchenversammlung ruft der Prediger in die Gemeinde hinein:
“All Ihr Ehemänner die ihr Sorgen habt, steht auf!“
Alle Männer in der Kirche stehen auf, nur einer nicht.
„Kaum zu glauben!“ ruft der Prediger, “Männer wie dich muss man suchen wie eine Stecknadel im Heuhaufen!“
Ich bin nur deshalb nicht aufgestanden,“ sagt der Mann, „weil ich gelähmt bin.“

Lähmung ist nicht Meditation, Gelähmte sind krank. Man kann den Geist lähmen; dafür stehen unzählige Tricks zur Verfügung. Manche liegen auf einem Nagelbrett. Wenn man ständig auf einem Nagelbrett liegt, wird der Körper unsensibel. Das ist kein Wunder, so stumpft man seinen Körper ab. Wenn der Körper seine Lebendigkeit verliert, ist das für dich kein Problem, denn für dich ist das kein Nagelbrett mehr. Nach und nach magst du es dort sogar bequem finden. Ja, auf einem guten, bequemen Bett wirst du nicht mal mehr einschlafen können. Auf die Art lähmt man seinen Körper.

Mit ganz ähnlichen Methoden kann man sich auch geistig lähmen. Man kann fasten. Dann meldet der Geist ständig, dass der Körper hungrig ist, aber du ignorierst den Geist. Nach und nach stumpft der Geist ab. Der Körper hat nach wie vor Hunger, aber der Geist meldet es nicht mehr, denn es hat ja keinen Zweck. Niemand hört hin, niemand geht auf ihn ein. Dann legt sich eine gewisse Lähmung über den Geist. Viele Leute, die lange gefastet haben, bilden sich ein, zur Meditation gelangt zu sein. Es ist aber keine Meditation, sondern nur ein Mangel an Energie, Lähmungen, Abstumpfungen. Sie laufen herum wie Untote, sie sind nicht lebendig.

Merkt euch: Meditation trägt euch laufend mehr Intelligenz ein, unbegrenzte Intelligenz, eine strahlende Intelligenz, Meditation macht euch ständig lebendiger und feinfühliger, macht euer Leben immerzu reicher.

Seht euch die Asketen an: ihr Leben kann man kaum noch leben nennen. Diese Leute sind keine Meditierer. Sie mögen Masochisten sein, die sich selber foltern und das noch genießen. Der Verstand ist sehr schlau, er macht was er will, und führt gute Gründe dafür an. Normalerweise richtet sich eure Gewalt gegen andere. Aber euer Verstand ist sehr schlau; er kann Gewaltlosigkeit predigen. Dann richtet man seine Gewalt gegen sich selbst, und Gewalt gegen sich selbst wird von den Leuten geachtet; denn sie verwechseln Askese mit Religiosität – was reiner Unsinn ist.

Die Existenz ist kein Asket, sonst gäbe es keine Blumen, gäbe es statt grünen Bäumen nur Wüsten. Gott ist nicht asketisch sonst gäbe es keinen Gesang, keinen Tanz, sondern Friedhöfe und nochmals Friedhöfe. Gott ist kein Asket.

Gott genießt das Leben. Gott ist epikuräischer, als ihr euch vorstellen könnt. Wenn ihr euch Gott vorstellt, dann denkt an Epikur. Das Göttliche ist pausenlos auf der Suche nach noch mehr Glück, Freude, Ekstase – vergesst es nicht.

Aber der Verstand ist sehr schlau; Er versteht es, Lähmung als Meditation hinzustellen, Abstumpfung als Transzendenz hinzustellen, Abgestorbenheit als Entsagung hinzustellen. Passt auf! Denkt daran, dass ihr, wenn eure Richtung stimmt, immerzu weiter aufblühen werdet, einen enormen Duft verströmen werdet und schöpferisch sein werdet. Und ihr werdet sensibler sein für das Leben, für die Liebe und für alles, was euch die Existenz sonst noch beschert.

Beobachtet das Innere eures Verstandes mit Argusaugen, prüft seine Motive. Sobald ihr etwas tut, sucht sofort nach der Motivation; denn wenn euch die Motivation entgeht, hält euch euer Verstand zum Narren und gaukelt euch eine ganz andere Motivation vor. Wenn du zum Beispiel wütend nach Hause kommst und dein Kind schlägst: Der Verstand wird dir einreden: “Das tust du nur ihm zuliebe – du musst ihm Anstand beibringen!“ Das ist eine Rationalisierung. Geh tiefer: Du warst wütend und brauchtest jemanden, an dem du deine Wut auslassen konntest. Mit deinem Chef ging das nicht, der ist dafür zu stark, außerdem ist es riskant und wirtschaftlich unklug. Nein du brauchtest ein wehrloses Wesen. Nun der Junge ist vollkommen wehrlos – er ist von dir abhängig. Er kann nicht reagieren, er kann nichts machen; er kann es dir nicht in gleicher Münze heimzahlen. Du könntest kein geeignetes Opfer finden.

Schau nach: Bist du wütend? Wenn ja, dann hält dich dein Verstand zum Narren. Er versucht dich rund um die Uhr hinters Licht zu führen, und zwar mit deiner Hilfe. Und am Ende bist du todunglücklich, landest in der Hölle. Halte ständig nach deinen eigenen Motiven Ausschau. Je öfter du das aufdecken kannst, desto weniger wird dich dein Verstand täuschen können. Und je mehr Abstand du vom Getäuscht werden nimmst, desto öfter kannst du deinen Verstand überwinden, desto eher wirst du zum Meister werden.

Ein Wissenschaftler sagt zu seinem Freund: “Ich kapier nicht, warum du so darauf bestanden hast , dass deine Frau während deiner Abwesenheit einen Keuschheitsgürtel tragen soll. Und, wenn ich das mal so sagen darf unter Kumpeln: Wer würde deine Emma denn noch an die Wäsche gehen wollen – bei ihrem Gesicht und ihrer Figur?

Ich weiß, ich weiß!“ seufzt sein Freund. „Aber wenn ich wieder daheim bin, kann ich so zumindest behaupten, ich hätte den Schlüssel verloren.“

Schaut hin: Achtet auf das unbewusste Motiv. Euer Verstand kann euch nur deswegen auf der Nase herumtanzen und herumkommandieren, weil ihr seine wirklichen Motive nicht erkennen könnt. Sobald jemand die wirklichen Motive erkennen kann, ist er nicht mehr weit vom Meditieren entfernt, denn nun hat sein Verstand die Gewalt über ihn verloren.

Der Verstand ist rein mechanisch, er hat keine Intelligenz. Der Verstand ist ein Bio-Computer. Wie könnte er da Intelligenz besitzen? Er ist dienstfertig, hat aber keine Intelligenz. Er besitzt wohl Gebrauchswert, aber keine Bewusstheit. Er ist ein Roboter. Er funktioniert gut, nur hört nicht so sehr auf ihn, denn sonst verliert ihr eure innere Intelligenz. Das wäre so, als wenn ihr euch von einer Maschine beraten, ja führen ließet. Dann verlasst ihr euch auf eine Maschine, an der nichts ursprünglich ist, sein kann. Nicht ein einziger Gedanke des Verstandes ist je ursprünglich, sondern immer nur nachgeplappert, Achtet einmal drauf: Erkennt, wann immer der Verstand zu etwas rät, dass er euch nur wieder eine Routine aufschwatzt. Wagt etwas Neues, und der Verstand wird euch nicht mehr so in seiner Gewalt haben.

Wer irgendwie schöpferisch ist, kann ohne weiteres zum Meditierer werden; doch wer unschöpferisch lebt, dem fällt es sehr schwer. Wer ein geregeltes Routineleben führt, steht unter der Knute seines Verstandes: Er traut sich nicht von ihm weg, er ist zu ängstlich. Macht jeden Tag etwas Neues! Hört nicht auf die alte Routine. Antwortet lieber dem Verstand, wenn er euch etwas einflüstert: “Wie oft haben wir es nun schon so oft gehalten! Lass mich jetzt mal etwas anderes machen!“

Nur winzige Veränderungen…..an deiner Art, mit deiner Frau umzugehen; nur winzige Veränderungen an der Art wie du immer gehst; nur winzige Veränderungen…..und du wirst spüren, dass der Verstand seine Macht über dich verliert und du allmählich freier wirst.

Schöpferische Menschen fällt es leichter zu meditieren – und tiefer zu gehen. Dichter, Maler, Musiker und Tänzer haben es leichter zu meditieren als Geschäftsleute. Denn die brauchen ein Routineleben, absolut unkreativ.

Ein Vater will seinen Sohn beraten. Zunächst kommt er, der in jüngeren Jahren ein stadtbekannter Playboy war, auf die bevorstehende Heirat des Sohnes zu sprechen.
 „Mein Junge“ sagt er, „Ich möchte dir nur zwei Ratschläge geben. Bestehe erstens darauf, dass du einen Abend pro Woche mit den Jungs verbringst“ Pause, „Und was ist dein zweiter Rat?“, fragt der Sohn.
 „Verplemper ihn nicht mit den Jungs.“

Er will dem Sohn seine Routine, seine Angewohnheiten aufschwatzen.
Der alte Verstand, der das gegenwärtige Bewusstsein berät! Ein Vater erteilt seinem Sohn Ratschläge…………

Jeden Moment seid ihr neu, neugeboren. Bewusstsein ist niemals alt. Das Bewusstsein ist immer der Sohn und der Verstand ist immer der Vater. Der Verstand ist nie neu und das Bewusstsein nie alt, aber der Verstand möchte den Sohn geraten. Der Vater möchte den Sohn dazu verleiten, ihn zu imitieren, damit der Sohn es ebenso macht wie er.

Ihr habt bislang auf eine bestimmte Art und Weise gelebt – habt ihr denn keine Lust, mal was Neues zu erleben? Ihr habt bislang auf eine bestimmte Art und Weise gedacht – habt ihr gar keine Lust darauf, euch selber etwas besser kennenzulernen? Wenn ja, dann seid auf der Hut und hört nicht auf den Verstand. Der Verstand ist Inbegriff eurer Vergangenheit – die ständig auch eure Gegenwart und Zukunft kontrollieren möchte. Somit will die tote Vergangenheit die lebendige Gegenwart in ihre Gewalt bringen. Macht euch das einfach mal klar….

Aber wie geht er es an? Wie schafft das der Verstand immer wieder? Er schafft es mit folgender Methode. Er sagt: “Wenn du nicht auf mich hörst, bist du weniger tüchtig als ich. Wenn du etwas Gewohntes tust, bist du tüchtiger, weil du dich damit auskennst. Wenn du etwas Neues tust, bist du nicht so tüchtig.“ Der Verstand redet ständig wie ein Ökonom, ein Leistungsexperte. Er sagt immerzu: “So fällt es dir leichter; warum es dir schwer machen? Wähle den Weg des geringsten Widerstandes!“

Denk dran: Wenn ihr die Wahl habt, die Alternative habt, dann entscheidet euch stets für das Neue, für das Schwerere; entscheidet euch für das, wozu mehr Bewusstheit gehört. Zieht stets die Bewusstheit der Leistung vor, und ihr werdet eine Situation herbeiführen, die Meditation möglich macht. Es kommt immer nur auf die Voraussetzung an. Die Meditation kommt von selber. Das soll nicht heißen, dass ihr nur dadurch zur Meditation gelangt, dass ihr die Voraussetzung herstellt, aber es wird dabei helfen. So entstehen die nötigen Voraussetzungen in euch, ohne die es nicht zur Meditation kommen kann.

Seid weniger tüchtig, aber dafür schöpferisch. Lasst das euer Motto sein. Schert euch nicht so sehr um praktische Gesichtspunkte. Erinnert euch lieber ständig, dass ihr nicht dazu lebt, um zur Ware zu werden. Ihr seid nicht hier, um zu etwas nütze zu sein – das ist würdelos. Ihr seid nicht  hier um immer tüchtiger zu werden. Ihr seid hier, um immer lebendiger zu werden, ihr seid hier um immer intelligenter zu werden, ihr seid hier, um immer glücklicher zu werden…… bis zur Ekstase. Aber das steht auf einem ganz anderen Blatt, als alles, was der Verstand mit euch vorhat.

Eine Mutter bekommt ein Zeugnis zugeschickt. „Ihr Kleiner ist hochintelligent“, steht im Begleitbrief der Lehrerin, „aber er möchte immer nur mit den Mädchen spielen. Aber ich bin dabei, mir etwas zu überlegen, wie ich ihm diese Gewohnheit austreiben kann.“

Die Mutter schickt das Zeugnis unterschrieben und mit der Randbemerkung zurück: „Lassen Sie mich bitte wissen, ob`s funktioniert hat. Ich würde ihre Methode gern an seinem Vater ausprobieren.“

Sobald ihr keine anderen mehr kontrollieren wollt – ob Gatte oder Gattin, Sohn oder Vater, Freund oder Feind -, sobald ihr jegliche Kontrollabsichten aufgebt, verliert der Verstand immer mehr Gewalt über euch, weil er dann nicht mehr gebraucht wird. Er wird gebraucht, um Kontrolle über die Gesellschaft auszuüben.

Ein Politiker kann nicht meditieren – völlig ausgeschlossen – noch mehr als für einen Geschäftsmann. Ein Politiker ist der genaue Gegenpol. Er kann nicht meditieren. Manchmal kommen Politiker zu mir: Sie seien an Meditation interessiert. Sie sind zu verspannt und möchten sich etwas entspannen. Also kommen sie an und wollen wissen, ob ich ihnen helfen kann; denn ihre Arbeit spanne sie zu sehr an und sie müssen sich ständig mit Streitereien, Mobbing, Wettkampf plagen. Sie bitten um etwas, das ihnen zu etwas Frieden verhelfen kann. Ich erkläre ihnen dann, dass das unmöglich ist, sie können nicht meditieren.

Der Ehrgeizige kann nicht meditieren, denn die Grundvoraussetzung für Meditation ist, nicht ehrgeizig zu sein. Ehrgeiz will Macht über andere ausüben. Genau das heißt Politik: das Bestreben, die ganze Welt unter Kontrolle zu bekommen. Wer Macht über andere ausüben will, wird auf seinen Verstand hören müssen, da der Verstand geradezu nach Gewalt lechzt.
Und da lässt man besser die Finger von Neuerungen – sie sind zu riskant. Da muss man sich wieder und wieder ans Alte halten. Hört, was uns die Geschichte lehrt, und ihr werdet staunen.
Im Jahre 1917 fand in Russland eine gewaltigen Revolution statt, eine der größten der Menschheitsgeschichte…….. und dennoch scheiterten die Revolution irgendwie. Als die Kommunisten an die Macht kamen, führten sie sich praktisch so auf wie die Zaren – schlimmer noch. Stalin entpuppte sich schrecklicher als Iwan der Schreckliche. Er brachte Millionen von Menschen um. Wie kam es dazu? Sobald sie die Macht hatten, war es ihnen zu riskant, etwas Neues zu wagen: Vielleicht funktioniert es nicht. Es hat bisher noch nie funktioniert, wer kann das also schon sagen? Wir halten uns besser an die alten Methoden, die haben sich stets bewährt. Sie mussten von den Zaren lernen.
Jede Revolution scheitert, denn sobald eine Gruppe von Politikern am Ruder ist, führt kein Weg um die alten Methoden herum. Der Verstand ist nie für das Neue, sondern immer nur für das Alte. Wer andere kontrollieren will, kann das Meditieren vergessen. Darauf kann man sich hundertprozentig verlassen.
Der Verstand döst vor sich hin, er lebt in einem Dämmerzustand. Ihr werdet nur ganz selten bewusst. Nur wenn euer Leben in höchster Gefahr schwebt, werdet ihr bewusst; sonst aber seid ihr unbewusst. Der Verstand bewegt sich wie im Schlaf. Stellt euch an den Straßenrand und beobachtet mal die Leute, und ihr werdet sehen, wie ihnen die Traumschatten übers Gesicht huschen. Der eine führt ein Selbstgespräch und gestikuliert dazu. Seht ihn euch an, und ihr werdet erkennen können, dass er ganz woanders ist, jedenfalls nicht hier auf der Straße. Das ist so, als würden die Leute im Tiefschlaf herumlaufen.
Schlafwandel ist euer Normalzustand. Wer ein Meditierer werden möchte, der muss sich abgewöhnen, alles im Schlaf zu tun. Gehe, aber geh hellwach. Grab ein Loch, aber grab hellwach. Iss aber tu beim Essen sonst nichts – iss einfach nur. Jeden Bissen muss man zutiefst bewusst zu sich nehmen – ihn aufmerksam kauen. Gestatte dir nicht, kreuz und quer durch die Welt zu jagen. Sei hier und jetzt.
Sobald du dich dabei ertappst, wie dein Denken woanders hin will… und es will immer woanders hin, nie will es hier sein! Denn wenn es hier ist, wird es überflüssig. Hier und jetzt brauchst du nicht zu denken; da genügt es bewusst zu sein. Denken musst du immer nur da draußen, irgendwo anders, in der Zukunft, in der Vergangenheit, aber niemals hier. Die Leute leben praktisch im Schlaf. Sie haben den Trick gelernt, alles nötige so zu erledigen, dass ihr Schlaf ungestört bleibt.
Wenn du aber etwas wacher wirst, kannst du dich oft dabei ertappen, wie du Dinge tust, die du nie tun wolltest – Dinge, von denen du genau weißt, dass du sie später bereuen wirst, Dinge die du dir erst vor kurzem geschworen hattest, nie wieder zu tun! Und wie oft sagst du:“ Ja, ich hab`s getan, aber ich versteh nicht, wie das passieren konnte. Es ist mir passiert.“
Wie kann denn etwas dir passieren? Das ist nur möglich, wenn du schläfst. Du magst noch so beteuern, dass du es nie gewollt hast – aber irgendwo in dir drin muss es doch etwas  geben, das es gewollt hat.

Erst gestern hat mir Paritosh einen herrlichen Witz mit Seltenheitswert geschickt, ein Juwel von reinstem Karat.

Hört genau zu: Kurz nach dem letzten Krieg interviewt ein Journalist die Äbtissin eines europäischen Frauenklosters.
„Verraten Sie mir bitte,“ sagt der Journalist, “wie es Ihnen und Ihren Nonnen in all diesen schrecklichen Jahren ergangen ist: Wie haben Sie überlebt?“
Nun ja, anfangs,“ erwidert die Äbtissin, „haben die Deutschen unser Land überfallen, das Kloster beschlagnahmt, Nonnen vergewaltigt – außer Schwester Anastasia. Sie haben uns all unsere Vorräte weggenommen und dann gingen sie. Dann kamen die Russen. Die haben auch das Kloster beschlagnahmt, alle Nonnen vergewaltigt – außer Schwester Anastasia – unsere Vorräte mitgenommen und weg waren sie, dann wurden die Russen vertrieben und die Deutschen kamen zurück, haben das Kloster beschlagnahmt, alle Nonnen vergewaltigt – außer Schwester Anastasia – all unsere Vorräte mitgenommen und weg waren sie.“
Der Journalist, der den Bericht der Äbtissin mit dem gebotenen Mitgefühl kommentiert hat, platzt vor Neugier und will mehr über Schwester Anastasia wissen: “Was ist mit Schwester Anastasia?“, fragt er, “wie vermochte sie sich diesen Gräueln zu entziehen?“ – Ach, wissen Sie,“ seufzt die Äbtissin ,“Schwester Anastasia verabscheut solche Sachen:“

Selbst nach Vergewaltigungen sehnt ihr euch; es passiert, weil ihr es wollt. Es mag zwar extrem klingen, aber die Psychoanalytiker bestätigen das, und ich habe auch beobachtet, dass es so ist. Keine Frau ist zu vergewaltigen, wenn sie nicht kooperiert. Irgendwo verbirgt sich der tiefe Wunsch vergewaltigt zu werden. Tatsächlich ist kaum eine Frau zu finden, die sich nicht vorgestellt hätte, vergewaltigt zu werden, die nicht schon einmal davon geträumt hätte, vergewaltigt zu werden. Deine Vergewaltigung beweist zutiefst, dass du schön und irrsinnig begehrenswert bist! Es heißt – das ist historisch überliefert, dass die schönsten Frauen Ägyptens nach ihrem Tod vergewaltigt wurden, als Mumien! Sollte der Geist der Betroffenen davon erfahren haben, dürfte er außerordentlich glücklich gewesen sein. Stellt euch nur einmal vor, sogar noch als Leiche vergewaltigt zu werden…..
Ihr mögt das zwar abstreiten………..
Aber erst vor wenigen Tagen kam eine Frau zu mir, die in Kabul vergewaltigt wurde. Und sie erzählte ihre ganze Geschichte mit solchem Gusto, dass ich zu ihr sagte: “Offenbar hast du kooperiert.“ Sie sagte: “Was soll das heißen?!“ Sie war verletzt. Ich sagte: „Sei nicht verletzt. Du genießt die ganze Geschichte doch!“
Ich fuhr fort: “Mach mal die Augen zu und sage die Wahrheit. Sei wenigstens einmal ehrlich zu mir. Hast du`s genossen?!
Sie erwiderte: “Wie bitte? Ich die Vergewaltigung genießen? Ich bin katholisch, eine Christin!“ Ich sagte, “Mach trotzdem die Augen zu. Ganz egal, ob du katholisch, hinduistisch oder buddhistisch bist – schließ einfach deine Augen und meditiere,“ Sie entspannte sich. Sie war im Grunde eine aufrichtige Frau. Dann veränderte sich ihr Gesicht und sie schlug die Augen auf und sagte: “ich glaub, du hast recht – ich habs genossen. Aber verrate das niemandem! Mein Mann wird dich sehr bald besuche kommen: Kein Wort davon!“

Beobachtet nur mal euren Gedankenstrom: An der Oberfläche sagt ihr das eine, und unten drunter habt ihr gleichzeitig etwas ganz anderes im Sinn. Seid etwas wachsamer und schlafwandelt nicht.

Die alte Nörglerin musste schon eine Woche lang auf Anordnung ihres Arztes das Bett hüten. Nichts war ihr recht: Sie musste über alles meckern, das Wetter, die Arznei, und vor allem über alles, was ihr Mann für sie kochte. Eines Tages – der alte Mann hat soeben das Frühstückstablett rausgetragen und die Küche aufgeräumt -, zieht er sich in seine Ecke zurück. Sie kann seinen Füllfederhalter kratzen hören.
„Was machst du da?“, ruft sie.

„Ich schreibe einen Brief.“
„ An wen?“
„Cousine Anna.“
„ Was schreibst du ihr?“
„Dass du krank bist, dass es aber nicht weiter schlimm ist und du den Ärzten nach bald wieder auf den Beinen sein wirst.“
Und nach einem Weilchen fragte er nach:“ Wie schreibt man Friedhof am Ende – mit einfachem f oder Doppel-f?“

An der Oberfläche das eine und gleich darunter genau das Gegenteil. Er nährt seine Hoffnung, egal was die Ärzte sagen. An der Oberfläche wird er stets sagen, dass sie bald wieder gesund ist, aber im Innersten hofft er, dass sie doch bald stirbt. Aber er wird es nie eingestehen, nicht mal vor sich selbst. So spielt ihr immer Verstecken mit euch selbst. Macht Schluss mit diesen Tricks! Gebt zu, was ihr denkt, und bald wird euch euer Verstand nicht mehr in der Gewalt haben. Nun zu dieser Geschichte.

 Als in dem Dorf beim Tempel von Meister Shoju Wölfe
 auftauchten, ging Shoju eine Woche lang allnächtlich zum
 Friedhof und saß in Zazen.
 Daraufhin ließen keine Wölfe sich mehr blicken. Als die
 überglücklichen Dorfbewohner ihn baten, ihnen die
 geheimen Rituale zu beschreiben, die dies bewirkt hätten
 sagte er: “Ich habe weder solche Dinge benötigt,
 noch kenne ich mich damit aus. Während ich in Zazen saß,
 umringte mich ein Rudel Wölfe; sie beleckten meinen Atem.
 Aber da ich mich in der richtigen Geistesverfassung befand,
 wurde ich nicht gebissen. Wie ich euch fortwährend predige,
 befreit euch nur die richtige Geistesverfassung – dann kann
 euch im Leben wie im Tod weder Feuer noch Wasser etwas
 anhaben. Selbst Wölfe sind dagegen machtlos. Ich praktiziere
 einfach das, was ich predige.

Eine schlichte Geschichte, aber von großer Tragweite, Der Meister ging einfach zum Friedhof und blieb dort eine Woche lang sitzen – ohne etwas zu tun, ohne zu beten oder auch nur zu meditieren. Er saß einfach nur in Meditation – er meditierte nicht, sondern begab sich einfach in Meditation. Er saß einfach da. Und genau dieses Sitzen – ohne jeden Gedanken und in einem Bewusstsein, das nur noch wie ein regloser, wellenloser See ist, spiegelglatt – ist der richtige Zustand.
Dann geschehen Wunder wie von selbst.

Der Meister sagt:
 
 Während ich in Zazen saß, umringte mich ein Rudel Wölfe;
 sie beleckten meine Nasenspitze und beschnupperten
 meinen Atem. Aber da ich mich in der richtigen
 Geisteshaltung befand, wurde ich nicht gebissen.


Ein sehr fundamentales Lebensprinzip ist, dass du, wenn du Angst bekommst, nur den anderen dazu ermunterst, dich noch mehr zu ängstigen. Schon ein Anflug von Angst in dir provoziert in deinem Gegner das Gegenteil.
Jeder Gedanke hat einen negativen und positiven Pol, genau wie Elektrizität. Wenn du den negativen Pol hast, entsteht im Gegenüber der positive Pol. Ganz automatisch. Wenn du Angst hast, regt sich im anderen sofort der Wunsch, dich zu unterdrücken, dich zu quälen. Wenn du keine Angst hast, löst sich der Wunsch des anderen einfach auf. Und das ist nicht nur beim Menschen so, sondern das ist selbst bei Wölfen so. Bei allen Tieren ist es ebenso.
Wenn es dir gelingt, im richtigen Zustand zu verharren – also unabgelenkt, still, nur Zeuge zu sein von allem, was geschieht – ohne dass sich ein Gedanke regt – dann wird sich auch in allen um dich herum kein Gedanke mehr regen.

Hierzu eine alte indische Geschichte:
Im Himmel der Hindus steht ein Baum namens Kalptaru – was „Baum der Wunscherfüllung„ heißt. An dem kam einmal ein Wanderer vorbei, und müde wie er war, setzte er sich unter diesen Baum. Da er Hunger hatte, dachte er: “Wenn nur jemand da wäre, könnte ich ihn um etwas zu essen bitten. Aber ich bin scheinbar allein. “Und kaum hatte er ans Essen gedacht, stand auch schon Speise da! In seinem Heißhunger dachte er nicht erst lange nach, sondern verschlang sie. Danach wurde er müde und dachte: “Wenn ich doch nur ein Bett hätte….“  - und schon tauchte ein Bett auf.
Und kaum lag er aber darauf, überlegte er: „Was ist hier eigentlich los? Es ist niemand zu sehen. Erst kommt die Speise, dann das Bett…..treiben vielleicht Geister ihren Schabernack mit mir? Und schon sah er Geister!
Erschrocken dachte er: “Jetzt werden sie mich töten!“ Und sie töteten
ihn……….

Dasselbe gilt auch fürs Leben: Sobald du an Geister denkst, sind sie schon da. Stell dir etwas vor, und es wird sichtbar. Stellst du dir Feinde vor, werden sie Wirklichkeit; stellst du dir Freunde vor, werden diese Wirklichkeit. Stellst du dir Liebe vor, waltet überall Liebe: stellst du dir Hass vor, herrscht Hass. Was immer du dir vorstellst, geht in Erfüllung – dank einem bestimmten Gesetz. Und wenn du dir gar nichts vorstellst, dann passiert dir auch nichts. Der Meister saß auf dem Friedhof einfach nur da. Die Wölfe kamen, aber da sie niemanden vorfanden, schnüffelten sie herum. Sie werden geschnüffelt haben, um zu prüfen, was dieser Mann vielleicht dachte. Sie umkreisten und beobachteten ihn, aber es war niemand da – die reinste Leere. Was fängt man mit Leere an? Diese Leere, diese Stille, diese Seligkeit ist unerschütterlich, Nicht einmal Wölfe sind so schlimm. Sie empfanden das Geheiligte dieser Leere – und verschwanden.
Die Dorfbewohner meinten, dieser Mann habe irgendwelche geheime Rituale durchgeführt. „Ich habe weder solche Dinge benötigt, noch kenne ich mich damit aus“ sagte er. Ich saß einfach nur da, und alles veränderte sich. Diese Anekdote ist ein Gleichnis. Wenn du auf dieser Welt stillsitzt, wenn du still lebst, als lebendiges Nichts, dann wird die Welt zum Paradies und die Wölfe werden verschwinden. Es braucht nichts weiter zu geschehen: Der richtige Zustand deines Bewusstseins reicht, und alles wird erledigt.
Es gibt zwei Gesetze. Das eine Gesetz betrifft die Vorstellungswelt. Mit dem Gesetz der Vorstellungswelt wird das Leben um euch zur Hölle: Freunde werden zu Feinden, Liebende erweisen sich als Gegner, Blumen entpuppen sich als Dornen. Das Leben wird eine Last; man schleppt sich so dahin. Das Gesetz der Vorstellung macht das Leben zur Hölle, egal wo man lebt. Wer sich seinen Vorstellungen entzieht, hat sich jenem Gesetz dafür entzogen und lebt plötzlich in einer völlig anderen Welt. Diese andere Welt ist Nirvana. Diese andere Welt ist das Göttliche. Dann beginnt alles von selbst zu geschehen, ohne dass ihr einen Finger rührt.
Ich möchte es also mal so sagen: Wer ein Macher sein will, der wird im Ego leben und wird von den Wölfen umkreist und ständig Probleme haben.
Wer sein Ego aufgibt, wer auf die Vorstellung von sich als Macher verzichtet und sich nur noch ins Leben hinein entspannt und völlig gelassen lebt, der ist wieder zurück in der Welt des Göttlichen, in den Garten Eden zurückgekehrt: Adam ist heimgekehrt. Dann geschieht alles von selbst.
Der biblischen Geschichte nach braucht Adam im Garten Eden keinen Finger zu rühren; für alles war gesorgt. Aber dann fiel er in Ungnade und wurde rausgeworfen.
Er wurde neunmalklug, er wurde ein Egoist, und seither hat die Menschheit dafür büßen müssen.
Jeder Mensch muss wieder in den Garten Eden zurückkehren, die Tore sind nicht geschlossen: „Klopfet, und euch wird aufgetan werden. Bittet und euch wird gegeben werden“ – aber man muss umkehren.
Der Weg führt vom Macher zum Geschehenlassen, vom Ego zur Egolosigkeit, vom Denken zum Nichtdenken.
Meditation dreht sich einzig und allein ums Nichtdenken.

Genug für heute.


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